Antonio Salandra

Antonio Salandra

13. August 1853, Troia, Königreich beider Sizilien - 9. Dezember 1931, Rom, Italien

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Staatsmann Moderne Zeit Italienisch

Antonio Salandra (1853–1931) war ein konservativ-liberaler italienischer Jurist und Politiker, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts nationale Bedeutung erlangte. Geboren in Troia im Süden Italiens, studierte er Rechtswissenschaften und begann seine Laufbahn in Wissenschaft und öffentlicher Verwaltung, bevor er in den 1880er-Jahren in die parlamentarische Politik eintrat.

Über Jahrzehnte in der Abgeordnetenkammer bekleidete Salandra mehrere Ministerposten – am bedeutendsten in den Bereichen Landwirtschaft, Industrie und Handel – und erwarb sich den Ruf geordneter Verwaltung und haushaltspolitischer Vorsicht. Er gehörte zur Generation der Staatsmänner, die Italiens Übergang von einer Politik der Notabeln zur Massenpolitik gestalteten und zugleich Monarchie und öffentliche Ordnung zu bewahren suchten.

Im März 1914 zum Präsidenten des Ministerrats (Ministerpräsident) ernannt, erklärte Salandra zunächst die italienische Neutralität beim Ausbruch des Großen Krieges. Anfang 1915 vertrat er jedoch die Doktrin des „sacro egoismo“ – wonach die Außenpolitik Italiens ausschließlich vom nationalen Interesse geleitet sein müsse. In enger Zusammenarbeit mit Außenminister Sidney Sonnino verhandelte seine Regierung den Vertrag von London (April 1915), durch den Italien im Austausch für territoriale Zusagen mit der Entente in Verbindung trat; Italien erklärte am 23. Mai 1915 Österreich-Ungarn den Krieg.

Die Kriegsführung stellte Salandras Abwägung von Strategie, Mitteln und politischer Zustimmung auf die Probe. Das zermürbende Patt an der Isonzo-Front, innenpolitische Zerwürfnisse und der Schock der Strafexpedition (Asiago-Offensive) 1916 schwächten die parlamentarische Unterstützung. Angesichts einer feindlich gesinnten Kammer und der Last eines langen Krieges trat Salandra im Juni 1916 zurück; sein Nachfolger wurde Paolo Boselli.

In den folgenden Jahren blieb Salandra ein einflussreicher Altstaatsmann und Kommentator. In Essays und Erinnerungen reflektierte er über Neutralität, Bündnispolitik und Italiens Kriegsziele und vertrat die Auffassung, dass umsichtiges Staatswesen Ideale mit den konkreten Interessen der Nation in Einklang bringen müsse. Er starb 1931 in Rom und hinterließ ein ambivalentes Erbe als der Ministerpräsident, der Italien in den Ersten Weltkrieg führte.

Bleibendes

  • Die Formulierung des „sacro egoismo“ – die offene Aussage, dass das nationale Interesse die Außenpolitik leiten solle.
  • Die Führung während Italiens bedeutsamer Wende von Neutralität zur Intervention 1915.
  • Ein Beispiel vorsichtiger, rechtlich orientierter Staatskunst inmitten des Aufruhrs von Massenpolitik und totalem Krieg.