Philippe Pétain
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Philippe Pétain (1856–1951) stieg aus ländlichen Verhältnissen im Norden Frankreichs auf und wurde einer der bekanntesten französischen Befehlshaber des Ersten Weltkriegs. Als Berufsoffizier, der Feuerkraft und defensive Taktiken betonte, erlangte er 1916 nationale Bekanntheit als Verteidiger von Verdun, wo seine methodische Arbeitsweise und sein Beharren auf regelmäßigen Ablösungen dazu beitrugen, die Front unter katastrophalem Druck zu stabilisieren.
Im Jahr 1917, angesichts von Meutereien in der Armee nach der gescheiterten Nivelle-Offensive, wurde Pétain zum Oberbefehlshaber der französischen Armee. Er stellte die Ordnung wieder her durch eine Kombination aus Reformen, verbesserter Verpflegung und Urlaub sowie gezielten Disziplinarmaßnahmen. Nach dem Krieg wurde er zum Marschall von Frankreich ernannt und blieb eine herausragende Persönlichkeit; später kommandierte er die französischen Truppen im Rifkrieg (1925–1926) und diente zeitweise in der Regierung, unter anderem als Kriegsminister.
Der Zusammenbruch Frankreichs 1940 brachte Pétain an die höchste politische Macht. Als Staatschef mit Sitz in Vichy suchte er einen Waffenstillstand und verfolgte ein Programm der Révolution nationale unter dem Motto Travail, Famille, Patrie. Das Regime erließ das antisemitische Statut des Juifs, beschränkte bürgerliche Freiheiten und kollaborierte mit dem nationalsozialistischen Deutschland – Maßnahmen, die Verfolgung und Deportationen ermöglichten und verheerende Folgen für jüdische Menschen und andere verfolgte Gruppen hatten.
Nach der Befreiung wurde Pétain verhaftet, vor Gericht gestellt und 1945 des Hochverrats schuldig gesprochen. Seine Todesstrafe wurde auf lebenslange Haft durch Charles de Gaulle umgewandelt, mit Verweis auf Pétains Alter und seine Verdienste im Ersten Weltkrieg. Er starb 1951 in Haft auf der Île d’Yeu.
Vermächtnis und Debatte — Pétains Vermächtnis ist bis heute umstritten. Manche vertraten einst die sogenannte 'Schild-und-Schwert-These' und behaupteten, er habe Frankreich schützen wollen, während andere, etwa de Gaulle, weiterkämpften. Forschungen und Archivmaterialien haben die aktive, eigenständige Rolle Vichys bei Repression und Kollaboration hervorgehoben. Derselbe Soldat, der einst für seine Standhaftigkeit in Verdun gelobt wurde, wurde in der Macht zum Gesicht eines Regimes, das an schweren Unrechtstaten beteiligt war.
- Militärischer Ruf: Kommandant von Verdun; Reformer der Armee 1917; Marschall von Frankreich.
- Politische Rolle: Staatschef von Vichy-Frankreich (1940–1944) während der deutschen Besatzung.
- Rechenschaft: Wegen Hochverrats angeklagt und verurteilt; Todesstrafe in lebenslange Haft umgewandelt; in Haft gestorben.
- Historische Bewertung: Vom Kriegshelden zum Symbol der Kollaboration – sein Wirken bleibt eine mahnende Studie über Führung und moralische Verantwortung.