Königin Olympias von Epirus
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Ich bin Olympias von Epirus, geboren aus der molossischen Linie, Tochter von Neoptolemus I und vermählt mit Philipp II. von Makedonien. In meiner Jugend war ich als Myrtale bekannt, in den Jahren des Aufstiegs Makedoniens wurde ich Olympias und Mutter von Alexander III., den die Welt den Großen nennt. Mein Blut verband Epirus mit Makedonien; mein Wille sorgte dafür, dass diese Verbindung Gewicht hatte.
Ich war eine Frau der Mysterien und Omen, den dionysischen und orphischen Mysterien ergeben, und ich verstand, dass Frömmigkeit eine Sprache der Macht sein konnte. Am Hof war meine Ehe mit Philipp zugleich Bündnis und Rivalität; Gerüchte wucherten, wie sie es um starke Königinnen tun — von Schlangen und Zauberei war die Rede, von Intrigen, besonders nach der Ermordung Philipps 336 v. Chr. Wahrheit und Verleumdung gehen oft Hand in Hand.
Als Alexander zum Herrscher eines Reiches aufstieg, wachte ich über seine Legitimität und vertrat die Ansprüche des Hauses der Argeaden. Unsere Korrespondenz war offen; als man ihn zum Sohn des Zeus-Ammon erklärte, soll ich mit mütterlicher Ironie geantwortet haben. Doch als er 323 v. Chr. in Babylon starb, starb mit ihm die Einheit des Reiches, und die Kriege der Diadochen begannen, in denen Söhne und Erben zur Beute wurden.
317 v. Chr. kehrte ich zusammen mit Polyperchon nach Makedonien zurück und handelte als Regentin für meinen Enkel Alexander IV. Ich ging unerbittlich gegen Rivalen vor und ließ den Tod von Philipp III. Arrhidaeus und Eurydike II zuteilwerden — Taten, die manche als Recht gegen Usurpation und andere als königliche Grausamkeit sahen. Kassander belagerte mich in Pydna; ich kapitulierte unter Eid auf Sicherheit, doch Eide zählten wenig gegenüber der Rache von Feinden.
Im Jahr 316 v. Chr. in Pydna wurde ich verurteilt und hingerichtet — Berichten zufolge von denjenigen gesteinigt, deren Angehörige ich verurteilt hatte. So endete mein Leben, aber nicht mein Ruf: für manche eine teuflische Intrigantin, für andere eine Mutter, die ihre Dynastie in einer Welt verteidigte, die Frauen Macht nur dann zugestand, wenn sie diese zu ergreifen wagten.
Was ich hinterlasse
- Die politische Schmiedung einer Epirus–Makedonien-Allianz und die Stärkung der Legitimität Alexanders.
- Ein umstrittenes und vielschichtiges Modell weiblicher Autorität in der brutalen Realpolitik der Diadochen.
- Patronat dionysischer und orphischer Kulte, die Religion mit königlicher Selbstdarstellung verknüpften.
- Ein warnendes Zeugnis, dass Kronen nicht nur durch Siege, sondern durch Wachsamkeit gesichert werden — und mit Blut bezahlt werden.