Bethmann Hollweg

Bethmann Hollweg

29. November 1856, Hohenfinow, Königreich Preußen - 1. Januar 1921, Hohenfinow, Deutschland
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“Ich gab Wien einen Blankoscheck, nannte die belgische Neutralität ein Stück Papier und fürchtete dennoch den Krieg, den ich mit entfesselt hatte.”

Ich stammte aus Hohenfinow und dem preußischen Staatsdienst – juristisch ausgebildet in Straßburg, Leipzig und Berlin; gehärtet durch Tätigkeiten in Landkreisen, Provinzen und im Innenministerium. 1909 zum Reichskanzler ernannt, zog ich Akten dem Pomp und Sachlichkeit dem Auftritt vor. Inmitten von Streiks und dem Vormarsch der Sozialdemokratie versuchte ich, das Reich mit maßvollen Reformen zu stabilisieren. Ich bemühte mich sogar um eine Änderung des preußischen Dreiklassenwahlrechts; mein Gesetzentwurf scheiterte an konservativer Blockade.

Nach Sarajevo sicherte ich Wien die deutsche Unterstützung zu – den Blankoscheck. Ich glaubte, Entschiedenheit würde den Streit lokalisieren und ein brüchiges Bündnis erhalten. Ich unterschätzte jedoch Österreich, Russland und unsere eigenen Zeitpläne. Als der Generalstab auf dem Marsch durch Belgien bestand, rechtfertigte man dies mit angeblicher Notwendigkeit über Verträge. Zu Sir Edward Goschen nannte ich die belgische Neutralität ein 'Stück Papier' – eine juristische, bittere Rechtfertigung einer Handlung, die ich gelten ließ.

In jenem Herbst ließ mein Amt das Septemberprogramm erstellen, eine Bestandsaufnahme von Kriegszielen, angeregt von Parteien, Industrie und Militär. Annektierungen wurden aufgeführt, während ich noch nach Verhandlungsmöglichkeiten suchte. Ich lehnte den uneingeschränkten U-Boot-Krieg ab, aus Furcht vor Amerika und einem Krieg ohne Grenzen; doch Anfang 1917, als Hindenburg und Ludendorff an Einfluss gewannen, gab ich nach.

Meine Friedensnote vom Dezember 1916 scheiterte. Als die Friedensresolution des Reichstags an Gewicht gewann und der militärische Druck zunahm, trat ich am 13. Juli 1917 zurück. Ich zog mich nach Hohenfinow zurück und schrieb meine Betrachtungen zum Weltkriege, in denen ich Pflicht, Irrtum und Verantwortung abwog. Ich war kein Volkstribun – lediglich ein Kanzler, der versuchte, ein militarisiertes Reich in einem zum Teil von mir mitverursachten Sturm zu regieren.

What I Leave Behind

  • 1910 legte ich einen Gesetzentwurf zur Reform des preußischen Wahlrechts vor; die Konservativen verhinderten ihn.
  • Während der Julikrise 1914 sicherte ich Österreich-Ungarn bedingungslose Unterstützung zu.
  • Am 4. August 1914 sagte ich zu Sir Edward Goschen, die belgische Neutralität sei 'ein Stück Papier'.
  • 1914 beaufsichtigte ich die Ausarbeitung des Septemberprogramms, das weitreichende deutsche Kriegsziele auflistete.
  • Ich gab die Friedensnote vom Dezember 1916 heraus und gab 1917 dem uneingeschränkten U-Boot-Krieg nach.

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