“Weil ich Amphipolis nicht halten konnte, wurde ich verbannt; aus dieser Schmach sah ich in beide Lager und schrieb den Krieg auf, den keine Seite in Erinnerung behalten wollte.”
Ich war ein Athener, der im achten Kriegsjahr in Thrakien das Kommando innehatte. Brasidas nahm Amphipolis, bevor ich eintreffen konnte; wegen dieses Versagens verbannten mich meine Stadt für zwanzig Jahre. Ich besaß Güter und Goldminen in Scapte Hyle, und bei den Thrakern fand ich Schutz, Zeugen und Zeit.
Das Exil entkleidete mich des Amtes und gab mir Übersicht. Ich sprach mit Männern beider Bündnisse, verglich ihre Berichte und zeichnete auf, was ich sah und was ich überprüfen konnte. Wo ich Reden wiedergebe, habe ich sie so gebildet, dass der Sinn dessen erhalten bleibt, was gesagt wurde, und dabei dem Sachverhalt am nächsten blieb. Weder Gerüchten noch gefälligen Erzählungen vertraute ich.
Ich erkrankte an der Pest und überlebte; deshalb beschrieb ich sie nüchtern, damit man sie beim Wiederauftreten wiedererkennen könne. Ich verfolgte, wie Furcht, Gewinn und Ehre Staaten bewegen; wie Stasis Städte zerreißt; wie imperialer Ehrgeiz Athen verführt und ihre Feinde verhärtet.
Meine Schrift folgt Sommern und Wintern und bricht im einundzwanzigsten Jahr unvollendet ab, als andere Hände die Darstellung fortsetzten. Ich schrieb nicht, um Götter oder Menschen zu preisen, sondern um ein Eigentum für alle Zeiten zu hinterlassen, damit die Fragenden den Krieg ungeschmückt beurteilen können.
Ich brachte Athen Dialog und Recht auf die Bühne, doch die Gerechtigkeit lernte ich zuerst im Staub von Marathon.
Gespräch startenIch widersetzte mich dem Befehl der Tyrannen und trank doch den Schierlingsbecher der Stadt — frage, warum ich beides für gerecht hielt.
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