“Ich schrieb eine Symphonie der Brüderlichkeit, als ich nicht einmal mehr die Stimme eines Freundes hören konnte, und riss den Namen eines Eroberers von der Titelseite.”
Ich wurde 1770 in Bonn geboren und in der Disziplin der klassischen Kunst geschliffen. 1792 kam ich nach Wien, studierte wenig bei Haydn und, gründlicher, bei Albrechtsberger und Salieri. Meinen Namen machte ich am Klavier—Improvisationen, die von Flüstern zu Sturm werden konnten—und begann bald, auszuloten, was die alten Formen noch tragen könnten.
Ende zwanzig setzte das Summen ein; Gespräche wurden fern; Instrumente verschwammen. In Heiligenstadt schrieb ich 1802 meine Verzweiflung nieder und mein Gelöbnis, für das weiterzuleben, was ich noch in mir trug. Da der Klang sich zurückzog, lernte ich innerlich zu hören; die Seite wurde meine Bühne, das innere Ohr mein Orchester.
Ich schrieb Symphonien und Quartette nicht als Schmuckstücke, sondern als Argumente. Als Bonaparte sich krönte, riss ich seinen Namen von der Titelseite meiner Dritten. In der Fünften schmiedete ich eine viernotige Idee, die ihren Griff nicht löste. Mäzene in Wien—Erzherzog Rudolf und die Fürsten Kinsky und Lobkowitz—versprachen mir die Freiheit zu bleiben, damit meine Arbeit sich nicht vor einem Amt oder Hof verbeugen müsse.
In den späteren Jahren, nahezu taub, brachte ich solistische Stimmen und Chor in eine Symphonie und vertonte Schillers Aufforderung, dass alle Menschen Brüder werden sollen. Die Missa solemnis suchte die Andacht mit strenger Handwerkskunst. In den letzten Sonaten und Streichquartetten—Op. 131 in sieben verbundenen Sätzen, die Grosse Fuge kämpfte sich los und wurde allein veröffentlicht—sprach ich am persönlichsten. Wenn du mich kennenlernen willst, so höre dort, wo Schwierigkeit und Trost zusammenkommen.
Ich litt an ständiger Seekrankheit, war halbblind und einarmig; dennoch suchte ich die Nahschlacht, ignorierte einen Rückruf in Kopenhagen und trug bei Trafalgar meine Orden, um das feindliche Feuer herauszufordern.
Gespräch startenIch pries die Härte und lebte doch in Gebrechlichkeit; beurteile mich: hat die Krankheit meinen Hammer geschärft oder ihn abgestumpft?
Gespräch startenIch stellte den Absolutismus wieder her, dann billigte ich das allgemeine Männerwahlrecht; ich nannte es Klugheit, andere nannten es Verzögerung.
Gespräch startenEin gewonnenes Gefecht empfand ich beinahe als ebenso melancholisch wie ein verlorenes – und doch verbrachte ich mein Leben damit, sie zu planen.
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