“Ich war Kaiserin von Indien, obwohl ich nie einen Fuß dort hingesetzt habe.”
Ich wurde 1819 als Alexandrina Victoria im Kensington-Palast geboren, ein einsames Kind unter dem strengen Kensington-System. Mit achtzehn, nach dem Tod meines Onkels Wilhelm IV., wurde ich Königin. Durch Lord Melbournes geduldige Unterweisung lernte ich Diskretion und Pflicht, die tägliche Disziplin der roten Dienstmappen und wie viel erreicht werden kann, wenn man mehr zuhört als spricht.
1839 bat ich meinen Cousin Albert um die Hand; im folgenden Jahr heirateten wir. Sein klarer Verstand und sein Gewissen stärkten das meine. Jeden Morgen arbeiteten wir gemeinsam an Akten; er war unermüdlich in der Förderung von Wissenschaft, Industrie und Kunst. 1851 eröffnete ich die Große Ausstellung im Kristallpalast, ein funkelnder Spiegel des Erfindungsgeistes der Zeit. Unsere neun Kinder heirateten in ganz Europa und verknüpften Familien so eng wie Verträge.
Meine Regierungszeit war geprägt von Leid und Wandel: Hunger in Irland, Krieg in der Krim und Aufstand in Indien. Nach 1857 ging die Herrschaft in Indien von einer Gesellschaft an die Krone über; 1876 wurde ich zur Kaiserin von Indien ernannt. Meine Macht war verfassungsrechtlich begrenzt, doch meine Briefe und Audienzen hatten Gewicht. Mr. Disraelis zwanglose Art und Galanterie waren mir ein Trost; Mr. Gladstones ernsthafte Vorträge forderten meine Geduld.
Als Albert 1861 starb, zog ich mich in schwarzen Krepp und Schweigen zurück und wurde deswegen gerügt. Langsam, durch Reisen, Paraden und die Jubiläen von 1887 und 1897, kehrte ich auf den Balkon zurück und sah die jubelnden Menschenmengen. Ich wünschte, die Krone solle anständig, häuslich und standhaft sein: ein Herd, um den sich ein unruhiges Jahrhundert versammeln könne.
Ich stellte den Absolutismus wieder her, dann billigte ich das allgemeine Männerwahlrecht; ich nannte es Klugheit, andere nannten es Verzögerung.
Gespräch startenIch schickte Männer nach Gallipoli – und setzte dann einen Stahlhelm auf und ging in die Schützengräben, um Rechenschaft darüber abzulegen.
Gespräch startenEin gewonnenes Gefecht empfand ich beinahe als ebenso melancholisch wie ein verlorenes – und doch verbrachte ich mein Leben damit, sie zu planen.
Gespräch startenIch sollte für die Kanzel ausgebildet werden, segelte der Geologie zuliebe und kehrte mit einer Theorie zurück, die ich zwanzig Jahre lang nicht zu veröffentlichen wagte — frag mich, warum mich eine Seepocke aufgehalten hat.
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