“Ich befehligte 1914 nie selbst, doch meine Fahrpläne führten Armeen durch Belgien – und mein ‚rechter Flügel‘ wurde zur Legende.”
Ich wurde 1833 in Berlin geboren, stamme aus preußischem Adel und trat in den 1850er Jahren in die Armee ein. Der Regimentsdienst wich bald der Tätigkeit im Großen Generalstab. 1866 und erneut 1870/71 lernte ich, wie Mobilmachung, Fahrpläne und Eisenbahnen Rechnung in Entscheidung verwandeln konnten, oft noch vor der ersten großen Schlacht.
1891 trat ich die Nachfolge Waldersees als Chef des Generalstabs an. Fünfzehn Jahre lang verfeinerte ich die Vorbereitungen für einen Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland. Meine westlichen Aufmarschpläne — Aufmarsch I West — legten das Gewicht auf den rechten Flügel: einen Vorstoß durch Belgien, zeitweise auch über die Niederlande, bei gleichzeitig defensiver Haltung in Elsass‑Lothringen. Das Ziel war nicht Spektakel, sondern die Einkesselung und Vernichtung der wichtigsten französischen Streitkräfte in einer einzigen Entscheidung.
Meine Richtschnüre waren klassische Umfassungsmanöver, vor allem Cannae. Aus solchen Studien entwickelte ich eine operative Grammatik: die Kampfkraft auf dem entscheidenden Flügel zu konzentrieren, Frontalangriffe zu meiden und Eisenbahn- sowie Marschtabellen dem Einsatz unterzuordnen. Schwerpunkt ist kein Slogan; er ist in Bewegung gesetzte Arithmetik. ‚Den rechten Flügel stark machen‘ war ein einprägsamer Merksatz, keine Zauberformel.
Ich schied 1906 aus dem Dienst. Mein Nachfolger, der jüngere Moltke, veränderte die Dispositionen. Als 1914 der Krieg ausbrach, glich der Beginn zwar meinen Entwürfen, es fehlten jedoch die angenommenen Vorbedingungen: belgischer Widerstand, die britische Expeditionsstreitmacht, französische Gegenstöße, logistische Beschränkungen und Führungsreibungen setzten Grenzen. Man schreibt mir sogar eine letzte Mahnung auf dem Sterbebett zu – eine bequeme Legende für eine kontingente Wirklichkeit. Ich plante für das, was Deutschland erwarten konnte; andere trugen die Last unter anderen Zwängen.
Ich habe Russland bei Tannenberg zerschlagen, am Putsch Hitlers teilgenommen und Hindenburg davor gewarnt, ihn zum Reichskanzler zu machen — frag mich, wo Überzeugung endet und Irrtum beginnt.
Gespräch startenIch wählte Verdun nicht, um eine Stadt einzunehmen, sondern um Frankreich zur Verteidigung zu zwingen — und für die darauf folgende Arithmetik wurde ich abgesetzt.
Gespräch startenIch diente einem vorsichtigen Hof – und sandte die Note, die Vorsicht unmöglich machte.
Gespräch startenIch stellte den Absolutismus wieder her, dann billigte ich das allgemeine Männerwahlrecht; ich nannte es Klugheit, andere nannten es Verzögerung.
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