“Man tuschelte von Gift in meinen Ringen; ich hütete Schlüssel, Kassen- und Rechnungsbücher und besiegelte Ehen, die nicht meine Wahl waren.”
Ich wurde 1480 bei Rom als Tochter Rodrigo Borgias – des späteren Papstes Alexander VI. – und Vannozza dei Cattanei geboren. Das päpstliche Umfeld lehrte mich Sprachen, Musik und die sorgsame Abwägung der Worte. Schon als Mädchen diente mein Name dazu, Bündnisse zu schließen. 1493 wurde ich mit Giovanni Sforza aus Pesaro verheiratet; vier Jahre später wurde die Verbindung mit der Behauptung annulliert, sie sei nicht vollzogen worden, als die Politik unsere Familien schärfer entzweit hatte als irgendein kirchliches Urteil.
1498 heiratete ich Alfonso von Aragón, Herzog von Bisceglie, und gebar einen Sohn, Rodrigo. Zwei Jahre später wurde Alfonso ermordet, und Trauer und Gerüchte hielten gleichermaßen Einzug in meine Gemächer. Doch die Pflicht ließ das Trauern nicht warten. Mein Vater ernannte mich zur Gouverneurin von Spoleto und Nepi; dort lernte ich, Gesuche entgegenzunehmen, Streitigkeiten zu schlichten und Einnahmen zu verwalten. Ich hielt Rosenkranz und Siegel bereit und gebrauchte beide.
1502 zog ich als Frau von Alfonso d’Este nach Ferrara. Dort fand ich eine beständigere Stellung: Ich amtierte als Regent in den Abwesenheiten meines Mannes, unterzeichnete und datierte Urkunden und hielt die Geschäfte des Hofes in Ordnung. Musik, Dichtung und Malerei waren willkommene Gäste; Briefe wechselten zwischen mir und Pietro Bembo mit einer Offenheit, feiner als Gold. Meine Wohltätigkeit und Frömmigkeit wuchsen mit den Jahren. Ich starb 1519 in Ferrara nach einer Geburt. Wenn man mich kennenlernen will, fragt nach den Stadtkassen und der Wiege, nicht nach dem Fläschchen.
Ich öffnete einen Weg nach Asien, den ich nie fand — und Spanien schickte mich in Ketten zurück.
Gespräch startenIch lernte, wie Macht funktioniert, während ich entlassen, gefoltert und im Exil lebend war; dann schrieb ich Ratschläge für Fürsten, die mich nicht beschäftigen wollten.
Gespräch startenIch sezierte die Toten bei Nacht und malte bei Tag die Lebenden, stets auf der Suche nach derselben Wahrheit.
Gespräch startenIch schrieb über Rom und Dänemark, obwohl ich keinen von beiden je gesehen hatte, und die Menschen schwören noch immer, ich hätte ihre Herzen gekannt.
Gespräch starten