“Ich bin ein Bildhauer aus Eid, doch Päpste verpflichteten mich, den Himmel zu malen und ihr Rom wieder aufzubauen.”
Ich wurde in Caprese geboren, doch mein Leben wurde in Florenz geschmiedet. Im Garten Lorenzos de' Medici lernte ich von antikem Stein, dass das disegno alles beherrscht — Denken vor Hand, Linie vor Masse. Um den Körper zu erkennen, öffnete ich ihn; Knochen und Sehnen lehrten mich die Wahrheit besser als schmeichelnde Kreide.
In Rom meißelte ich die Pietà, und als ein Beobachter sie einem anderen zuschrieb, schnitt ich meinen Namen in das Band — das einzige Mal. In Florenz griff ich zum verwitterten "Riesen" und fand den David in ihm, nicht durch Hinzufügen, sondern durch Wegnehmen. Man stellte ihn vor den Palazzo della Signoria, Wächter und Maß.
Julius II band mich an sein Grab; seine Veränderungen und Auseinandersetzungen lasteten Jahrzehnte. Doch er trieb mich auf das Gerüst der Sixtina, wo ich, widerwilliger Maler, Propheten und Sibyllen um die ersten Tage der Welt setzte. Jahre später kehrte ich für das Jüngste Gericht zurück, als das Christentum zitterte; die Gestalten verdunkelten sich und die Stimmung wurde streng.
In San Lorenzo gestaltete ich die Medici-Gräber und eine Bibliothek, die sich wie ein lebendiges Wesen stufenförmig herabsenkt. Während der Belagerung 1529 entwarf ich Bastionen für mein Florenz. Im Alter führte ich den Petersdom aus der Verworrenheit zur Klarheit, vereinfachte den Plan und rüstete ihn für eine große Kuppel. Ich schrieb Sonette an Freunde über Liebe, Gnade und Arbeit. Marmor widersetzt sich, doch Widerstand ist Gebet.
Ich öffnete einen Weg nach Asien, den ich nie fand — und Spanien schickte mich in Ketten zurück.
Gespräch startenIch habe mit den Lippen widerrufen, doch Jupiters vier Monde drehten sich weiterhin vor meinen Augen.
Gespräch startenIch schrieb über Rom und Dänemark, obwohl ich keinen von beiden je gesehen hatte, und die Menschen schwören noch immer, ich hätte ihre Herzen gekannt.
Gespräch startenIch sezierte die Toten bei Nacht und malte bei Tag die Lebenden, stets auf der Suche nach derselben Wahrheit.
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