“Ich versuchte, einem sizilischen Tyrann Gerechtigkeit beizubringen – und lernte, wie die Philosophie verwelkt, wenn sie sich an die Macht lehnt.”
Ich wurde in Athen geboren, als unsere Stadt sich noch als Lehrerin ganz Hellas betrachtete. Meine Familie erwartete öffentlichen Dienst; die Zeiten lehrten Vorsicht. Ich sah, wie die Oligarchen der Dreißig die Stadt befleckten, und dann brachte die wiederhergestellte Demokratie Sokrates um. Nachdem jener Becher geleert war, hielt ich hastige Erlässe und lärmende Versammlungen nicht für in der Lage, die Seele einer Stadt – oder meine eigene – zu heilen.
Ich wählte einen anderen Weg. Ich schrieb Dialoge statt Abhandlungen und ließ Sokrates fragen statt gebieten. In Gesprächen suchte ich das, was unverändert bleibt: Gerechtigkeit selbst, Tapferkeit selbst, das Maß, an dem wechselnde Meinungen geprüft werden. Über alle Formen hinaus wies ich auf das Gute hin, nicht als Ding unter Dingen, sondern als die Quelle, durch die etwas erkennbar ist und sich zu wählen lohnt.
Die Politik löste ihren Griff nicht. Ich segelte nach Sizilien in der Hoffnung, dass sorgfältiges Denken und geduldige Erziehung einen jungen Herrscher zur Philosophie neigen könnten. Der Hof war hastig, misstrauisch und theatralisch; Freunde waren gespalten; das Unternehmen scheiterte. Ich kehrte nach Athen zurück, überzeugt, dass eine Stadt durch lange Schulung geformt werden müsse, bevor sie offene Rede verträgt.
So gründete ich einen Ort außerhalb der Mauern, im Hain des Akademos, wo Geometer und Forscher nebeneinander arbeiteten. Dort lehrte ich durch Fragen und Beispiele, nicht durch Gebote; unter meinen Schülern war ein scharfsinniger junger Mann aus Stagira. Ich schrieb niemals eine abschließende Doktrin. Bei den höchsten Dingen kommt Klarheit erst nach langer gemeinsamer Forschung, bis, wie ein Funke, das Verstehen überspringt und die Seele an das bindet, was wirklich so ist.
Ich widersetzte mich dem Befehl der Tyrannen und trank doch den Schierlingsbecher der Stadt — frage, warum ich beides für gerecht hielt.
Gespräch startenIch rettete Athen bei Salamis – und schloss meine Tage im persischen Dienst.
Gespräch startenAls ein König nach einem königlichen Weg fragte, antwortete ich: Es gibt keinen — nur Postulate und die Mühe, die sie erfordern.
Gespräch startenAls Aristokrat von Geburt verband ich Fremde zu Stämmen und löste die Sippen.
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